Positionspapier zur geplanten Einführung von MS365 und weiteren proprietären Tools in Baden-Württembergs Schulen
Bildung in BW ist Open Source - aber wie lange noch?
Baden-Württembergs Schulen profitieren seit Langem von einer exzellent aufgestellten digitalen Infrastruktur, Open Source und Datenschutzkonform. Lernmanagementsystem, zentrale Netzwerklösungen, Supportnetz, sichere Notenverwaltung, Schulmails und seit Corona nun auch ein Videokonferenzsystem mit methodischer Abstimmung auf Schule - alles auf landeseigener Infrastruktur und mit etablierten Fortbildungsstrukturen.
2020 plante das Kultusministerium allerdings, ohne Not und völlig konträr zur Open-Source-Strategie des Landes, einen Umstieg auf kommerzielle Produkte, darunter MS 365, aber auch eine zweite Lernplattform und mehr.
Wir sahen darin den Bildungsauftrag der öffentlichen Schulen gefährdet - stellen doch Nachhaltigkeit, Verbrauchererziehung und Demokratieerziehung zurecht als Leitperspektiven über unserem Bildungsplan.
Die Position der ILLBW sowie deren inhaltliche Fundamente haben wir als Positionspapier zusammengefasst und uns mit vielen weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen für freie Software an Schulen eingesetzt - mit Erfolg: MS365 an Schulen wurde in Baden-Württemberg aufgrund massiver Datenschutzbedenken nicht eingeführt und der Einsatz wird heute auch mit Konsequenzen durch den Landesdatenschutz belegt.
Eine skizzierte Bestandsaufnahme zu Schul-IT-Diensten, die zuverlässig laufen und vom Land schon lange bereitgestellt werden, haben wir auch zusammengestellt - vielleicht hilft dies auch Ihrer Schule, die bereits vorhandenen Dienste gewinnbringend einzusetzen.
PhV BW und ILLBW zur Stärkung von Informatik an den Schulen
Schulfach Informatik: Ja, aber richtig!
Der Informatiklehrkräfteverband (ILLBW) und Philologenverband Baden-Württemberg begrüßen, dass Informatik künftig durchgehend unterrichtet werden soll. Die Verbände kritisieren jedoch die Vermischung der Leitperspektive Medienbildung mit dem Fach Informatik. Außerdem müsse Informatik schon in Klasse 5 als eigenständiges Fach starten.
Die Landesregierung plant, von Klasse 7 bis 11 ein neues Fach „Medienbildung/Informatik“ einzuführen. In Klasse 5 und 6 soll der „Basiskurs Medienbildung“ erhalten bleiben. ILLBW und PhV BW fordern, dass das Fach stattdessen durchgehend ab Klasse 5 bis 11 explizit „Informatik“ heißt und auch nur von Informatik-Fachlehrkräften unterrichtet wird. Die Leitperspektive Medienbildung sollte darüber hinaus als Querschnittsaufgabe von allen Fächern umgesetzt werden.
Verbände gegen Vermischung von Medienbildung und Informatik
Informatik ist eine eigenständige Fachwissenschaft und sollte deshalb als eigenständiges Fach wie Chemie, Physik usw. unterrichtet werden. Informatik behandelt die technischen Grundlagen und Funktionsweisen digitaler Systeme; Medienbildung hingegen befasst sich als Querschnittsaufgabe mit der verantwortungsvollen Nutzung dieser Systeme. Deshalb müssen Informatik und Medienbildung getrennt werden; das Fach muss dementsprechend „Informatik“ heißen.
„Die Vermischung von Informatik mit Medienbildung wäre wie die Vermischung von Biologie mit BNE“, so Martina Scherer, Landesvorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg. „Biologielehrkräfte können nicht alle Aspekte der Leitperspektive BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) abdecken, deshalb ist sie Aufgabe aller Fächer. Genauso muss es beim Schulfach Informatik und der Leitperspektive Medienbildung auch sein!“
Informatik ab Klasse 5!
Informatik muss schon in Klasse 5 beginnen, um rechtzeitig informatische Grundlagen zu vermitteln. „Ein späterer Start benachteiligt insbesondere Mädchen, deren Interesse ab der Pubertät erfahrungsgemäß nachzulassen beginnt, weil sie das Fach als ‚Jungenfach‘ wahrnehmen,“ so Leonore Dietrich, Sprecherin des Informatiklehr€kräfteverbands ILLBW.
Die bevorstehende G9-Umstellung sei auf lange Zeit die einzige Möglichkeit, das Schulfach Informatik richtig aufzustellen: „Diese Chance wurde 2004 und 2016 zweimal verpasst, jetzt muss sie endlich genutzt werden!“, sind sich Martina Scherer und Leonore Dietrich einig.
Weiteres zum Thema Office 365 in Schulen
- Stellungnahme des MNU zu MS 365 (Oktober 2020)
- Artikel auf Netzpolitik.org (3.11.2020)
- Artikel auf heise.de: https://heise.de/-4948663 (5.11.2020)
- Zumeldung des PhV zur Ankündigung von MS365 (27.7.2020)
Stellungnahmen
Wir mischen uns ein! Unsere Stellungnahmen zum aktuellen Bildungsplan finden Sie auf dieser Seite.
Vorschlag für eine informatische Allgemeinbildung in BW
Aktuelle Stellungnahmen
- Zumeldung zum Stopp der Einführung von Informatik Klasse 7 [18.10.2016]
- Schreiben an Ministerpräsident Kretschmann als Reaktion der ILLBW auf die Presseerklärung des KM Stoch [16.01.2016]
- Stellungnahme der ILLBW zur Anhörungsphase des Bildungsplans [12.10.2015]
- Aufstellung der Überreste mit ITG-Bezug, die im Rahmen der Medienbildung noch enthalten sind [12.10.2015]
- Stellungnahme der ILLBW zur Ankündigung von Ministerpräsident Kretschmann [14.10.2015]
Weitere Veröffentlichungen zum Thema Mediencurriculum:
- ILLBW Vergleich der Bildungspläne 2004 und 2016: Vergleich Mediencurriculum - Bildungsstandards ITG
- ILLBW informatische Inhalte und Fachlichkeit: Anmerkungen zum Bildungsplanentwurf 2016
Ältere Stellungnahmen zu Informatik in der Schule finden Sie hier in umgekehrt chronologischer Reihenfolge:
- ILLBW Stellungnahme 2014: Rolle von ITG und Informatik
- GI Stellungnahme 2013: Informatikunterricht Sekundarstufe 1
- GI und BITKOM 2007: Informatikunterricht für alle Schülerinnen und Schüler
- GI 2004: Gefahr vor digitaler Spaltung
- GI 2004: Memorandum - Schulinformatik stärken